Der Browsermarkt lebt

Die neue PASS-Studie „Browser Benchmark 2004/2005“ belegt: Open-Source ist stark im Kommen, die neuen Produkte sind absolut konkurrenzfähig zum dominierenden Internet Explorer von Microsoft, bieten größeren Komfort und sind Vorreiter für neue Funktionalitäten – und sie werden sich durchsetzen.

I. Der Browsermarkt im fundamentalen Wandel
Open-Source-Software hat sich in den letzten Jahren von vielen Vorurteilen befreit: Längst kann keine Rede mehr davon sein, dass diese Software zu schlecht dokumentiert sei oder dass Probleme beim Support die Regel seien. Das Internet und seine Technologien entwickeln sich zum Rückgrat der Kommunikation, im privaten Bereich ebenso wie in den IT-Architekturen des Business. Entsprechend werden mittlerweile auf allen Seiten verstärkt Open-Source-Produkte genutzt, nicht zuletzt, da sie sich auch oft als günstiger und weit flexibler als viele kommerzielle Produkte erweisen.

Die Etablierung von Open-Source-Produkten zeigt eine Entwicklung, die von kommerziellen Monopolprodukten fortführt: Basis-Systemdienste wie Web-, Application- und Directory-Server sowie Entwicklungstools werden zunehmend zu Open Source-Commodity-Diensten. Es wird für kommerzielle Produktanbieter zunehmend schwieriger, ihre Preise am Markt durchzusetzen. Was sich bei Software generell schon deutlich abzeichnet, setzt nun auch konkret im Bereich der Web-Browser ein, nicht zuletzt auch verstärkt durch die aktuellen Sicherheitsproblematiken bei Browsern, die etwa dem neuen Firefox-Open-Source-Browser einen starken Push gegenüber dem angeschlagenen Image von Microsofts Internet-Explorer 6.0 gegeben haben. Auf dem Browser-Markt lässt sich gegenwärtig eine klassische Entwicklung in drei Stufen beobachten:

  1. Ein kommerzieller Anbieter – in diesem Falle zunächst Mosaik, das dann wiederum von Netscape verdrängt wurde – hat als „First Mover“ nach einem Verdrängungswettbewerb ein de-fakto-Monopol.
  2. Verdrängungswettbewerb unter den kommerziellen Anbietern, aus dem Microsoft als „Sieger“. Marktführer hervorging.
  3. Der Die sukzessive Angriff und die Verdrängung kommerzieller Anbieter durch Etablierung von validen Open-Source- Open Source. Alternativen im Browser-Markt.

Diese Marktentwicklung belegt und analysiert die neue PASS-Marktstudie „Browser Benchmark 2004/2005“: Sie vergleicht den Leistungsstand von Open-Source-Browsern und kommerziellen Produkten, analysiert Markt, Trends und Produkte, untersucht die Konkurrenzfähigkeit von Open Source-Browsern, prüft Alternativen und gibt Empfehlungen. Dabei wurde neben der Funktionalität insbesondere auch die Sicherheitsfunktionalität der einzelnen Browser analysiert. Denn die Risiken steigen: Immer mehr Business läuft über Browser, immer mehr kritische Information wird geschäftlich wie privat transportiert, von Web-basierten Unternehmensnetzen bis hin zum Online-Banking des privaten Nutzers. Wie gut sind die Browser – und wieviel Sicherheit ist möglich?

II. Die Browserlandschaft heute
Untersucht wurden die marktbestimmenden Browser Firefox 1.0, Mozilla 1.7.3., Netscape 7.2, Opera 7.6 (Preview) und der Internet Explorer 6, SP 1 von Microsoft. Die grundsätzlich gute Nachricht ist, dass alle untersuchten Produkte kostenfrei erhältlich sind. Der Opera ist allerdings nur mit einem ständigen Werbefenster kostenlos, für eine werbefreie Version muss der Nutzer 39 US-Dollar investieren. Die Ausnahme ist Opera, der 39 US-Dollar kostet, für den es allerdings auch eine kostenfreie Version gibt, die jedoch ein nicht abschaltbares, ständiges Werbefenster hat

 

Jan. bis Apr 04

Jul 04

Aug 04

Sep 04

Microsoft IE 6.x

79,06 %

80,31 %

81,11 %

82,0 %

Microsoft IE 5.5

(in 5.x enthalten)

6,86 %

6,31 %

5,59 %

Microsoft IE 5.x

15,36 %

5,91 %

5,36 %

5,04 %

Firefox

(in Mozilla enthalten)

1,64 %

1,69 %

2,91 %

Mozilla 1.x

2,5 %

2,62 %

2,82 %

2,1 %

Opera 7.x

0,73 %

0,99 %

1,06 %

1 %

Netscape 7.x

0,3 %

0,97 %

0,91 %

0,82 %

Andere

1,05 %

0,7 %

1,74 %

0,54 %

Abb.: Der Anteil von Open-Source am Browsermarkt wächst stetig (Quelle: PC Welt / Adtech)

III. Flexibilität ist Trumpf
Die aktuellen Browser setzen zunehmend auf Flexibilität bei Funktionalitäten, individuelle Anpassbarkeit und Geschwindigkeit. Während sich Internet Explorer, Netscape und Opera als Komplett-Pakete darstellen, werden Mozilla und Firefox als "Baukastensystem“ angeboten. Das bedeutet, dass die wichtigsten Funktionen mitgeliefert werden, alle zusätzlich gewünschten Funktionen jedoch manuell herunter geladen und installiert werden müssen. Das hat den Vorteil, dass der eigentliche Browser sehr schlank – und damit schnell performant – gehalten werden kann, worauf besonders beim Firefox geachtet wird. Ein möglicher Wermutstropfen: Da die Erweiterungen ebenfalls Open-Source sind und somit von vielen verschiedenen Entwicklern gestaltet werden, kann es hierbei zu Komplikationen kommen, etwa hinsichtlich der Kompatibilität mit der Browserversion oder mit anderen Erweiterungen.

IV. Neuen Funktionen für Browser Neue Funktionen
Die neuen Funktionalitäten können das Surfen wesentlich effizienter gestalten. Alle Browser bieten heute Schriften- und Grafikvergrößerung, und die praktische Steuerungsmöglichkeit durch Mausgesten unterstützen alle bis auf Netscape und Internet Explorer. Auch Popup-Blocker, die für nervenschonendes Surfen fast unverzichtbar sind, werden von allen Browsern geboten – nun auch vom Internet Explorer ab Servicepack 2 für Windows XP.

Neu ist die Möglichkeit, so genannte Themes zu installieren, die alle Browser außer dem Internet Explorer bieten. Durch Themes kann das Aussehen des Browsers den individuellen Wünschen angepasst werden. Beim Internet Explorer ist das Ändern des Aussehens nur über Tools von Fremdanbietern oder den Einstellungen des Betriebssystems möglich.

Schnell wird sich das Tab-Browsing etablieren, das es erlaubt, mehrere Webseiten gleichzeitig in einer einzigen Browser-Instanz zu betrachten. Tab-Browsing macht das Surfen schneller und effizienter. Bis auf den Internet Explorer unterstützen alle gesichteten Browser Tabbed Browsing. Für den Internet Explorer gibt es inzwischen Plugins, jedoch nur von Dritt-Anbietern.

V. Open Source: Sicherheit auf Zeit
Last not least spielt das Thema Sicherheit eine wesentliche Rolle bei der Browser-Wahl. Derzeit gibt es keinen Browser ohne Sicherheitslücken auf dem Markt. Entsprechende Probleme betreffen Open-Source- und Kommerzprodukte gleichermaßen. Generell handelt es sich bei den Sicherheitsproblematiken meist um Schwachstellen wie zum Beispiel URL-Spoofing, AktiveX-bezogene Angriffsmethoden oder Zugriffe auf schädlichen Code, welcher über Domaingrenzen hinweg aufgerufen wird.

Allerdings betreffen die meisten Sicherheitswarnungen kommerzielle Standard-Produkte wie den Internet Explorer von Microsoft, die durch ihre Marktdominanz einfach die größte Angriffsfläche bieten. Sie können nicht so schnell auf Sicherheitsproblematiken reagieren, wie dies bei Open-Source-Produkten der Fall ist, denn ihr Source-Code ist nur dem Hersteller des Produktes zugänglich. Bei solchen kommerziellen Anbietern erfolgen die Sicherheits-Updates innerhalb der Produktrelease-Zyklen (Major/Minor Release, Patch/Bugfix), die vielfach längere Bereitstellungszyklen im Vergleich zum Open-Source-Bereich aufweisen.

Bei der Open-Source-Community wiederum können sich die Optimierungsanstrengungen vieler Programmierer potenzieren, Updates sind kaum an feste Produktzyklen gebunden. Sicherheitslücken bei Firefox sind daher zunächst weniger problematisch als bei Microsofts Internet Explorer. So hat die Mozilla Entwickler-Community ein Programm geschaffen, bei dem durch Geldprämien ein zusätzlicher Anreiz geschaffen wird, um Sicherheitsprobleme zu entdecken und zu beseitigen. Durch den Ausbau der Marktposition von Open-Source-Browsern werden allerdings auch sie zunehmend ins Kreuzfeuer geraten.

VI. Sicherheit s als Einstellungssache
Wie schon bei den Funktionen erweist sich kommerzielle Browser-Software auch in punkto Sicherheit als unflexibler als die Konkurrenz. Zwar können a Alle Browser können Cookies auf Wunsch blockieren . Dabei ist die Festlegung von Ausnahmen sowie eine Unterscheidung beziehnungsweise nach Ausnahmen – ausgewählten Seiten – unterscheiden; hierbei ist es möglich, nach Anbieterart , zu unterscheiden und etwa um zum Beispiel nur nur Drittanbieter-Cookies zu blocken , möglich. Weiterhin ist es B bei Firefox, Nestcape, Mozilla und Opera möglich besteht zusätzlich die Möglichkeit, auf die einzelnen Cookies zuzugreifen und diese ggf. zu löschen. Der Internet Explorer erlaubt jedoch lediglich, , alle Cookies auf einmal zu löschen, ohne eine Einzelauflistung zu bekommen.

Einen Passwort- und Formular-Manager bieten alle Browser an. Beim Firefox, Mozilla, Netscape und Opera ist es können möglich alle gespeicherten (Formular-)Daten einzusehen eingesehen und gegebenenfalls einzeln zu gelösch en t bzw. zu editieren editiert werden. Der Internet Explorer bietet auch hier wieder nur die Möglichkeit an, alles auf einmal zu löschen. Weiterhin ist es bei allem Browsern bis auf den Internet Explorer möglich, ein Master-Passwort zu setzen, mit welchem man die gespeicherten Passwörter und Formulardaten gegen Fremdzugriffe absichern kann.

VII. Sicherheit und aktive Inhalte
Ein zentrales Sicherheitsthema sind in Webseiten eingebettete Programme oder Skripte sowie Downloads, die auf dem Rechner eines Internet-Nutzers großen Schaden anrichten können. Browser sollen diesen Schädlingen vorbeugen und Schadensroutinen verhindern.

Der Internet Explorer unterstützt zwar umfassende Techniken wie z.B. Java, VBScript, Jscript, und als einziger Browser ActiveX. ActiveX-Elemente stellen allerdings die größte eine große Gefahrenquelle dar, da sie als praktisch eigenständige Programme alle Rechte besitzen, um Installationen durch- oder schädlichen Code auszuführen. Durch Digitale Signaturen soll sichergestellt werden, dass der Herausgeber des jeweiligen Elements vertrauenswürdig ist. Sicherer ist es jedoch, diese Funktionalität von vornherein zu deaktivieren oder nur auf Anfrage zuzulassen.

Firefox, Mozilla und Netscape setzen auf Java, Plugins und Erweiterungen. Opera bietet die Erweiterung der Funktionalität ebenfalls nur über Java und Plugins an.

 

Firefox
1.0

Mozilla
1.7.3

Netscape
7.2

Opera
7.6 (Preview)

Internet Explorer 6, SP1

Allgemein

Betriebssystem- unterstützung

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Kosten

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Downloadgröße

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(komplett) ●

 

Sicherheit

Aktive Inhalte (Angriffsmöglichkeiten)

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Angriffsziel (Ausnutzung vorhandener Sicherheitslücken)

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Sicherheitseinstellungen

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Technische Unterstützung

HTML/ XHTML

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XML/ XSL/ XSLT

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JavaScript (Geschwindigkeit)

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Java (Geschwindigkeit)

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CSS

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DOM

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Plugins

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Komfortfunktionen

Suchfunktionen

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Tabbed Browsing

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Popup-Blocker

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Themes

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Mausgesten

(Erweiterung) ●●●●

(Erweiterung) ●●●●

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Browseranpassungen

Seitendarstellung (z.B. Textgrößen-Anpassung)

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Erweiterungen

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VIII. Wer ist der Beste?
Die PASS-Studie zeigt insgesamt, dass aktuelle Open-Source-Browser mit dem Internet Explorer von Microsoft mehr als nur mithalten können. Sie weisen vergleichbare Performance auf, haben meist einen größeren Funktionsumfang und lassen sich flexibler einsetzen. Dazu gehört auch die Tauglichkeit für den Einsatz im Geschäftsbereich. Eine optimierte Version 7.0 des Microsoft Internet Explorers, die hinsichtlich Komfort und Flexibilität mit den Open Source-Produkten gleichzieht, ist noch nicht in Sicht.

Die Testergebnisse der Studie zeigen, dass insbesondere der Firefox-Browser nicht nur eine sehr valide Alternative zu Browser-Produkten von kommerziellen Anbietern ist, sondern sich auch im Vergleich zu den Open-Source-Konkurre nnten sehr gut positioniert : er weist einen deutlich geringeren Installationsumfang auf als Mozilla. . Firefox ist ein schneller, schmaler Browser, welcher JavaScript und Java schnell bewältigt und auch Webseiten in mit einer hohen Performanz darstellt. Der Browserstart benötigt nur unerheblich länger als der des Internet Explorers. Der aktuelle technische Stand der Webtechnologien wird weitestgehend unterstützt. Der Browser kann außerdem für jeglichen Bedarf angepasst und erweitert werden. Für die Webentwicklung kann der Firefox ebenfalls sehr gut verwendet werden, da er Werkzeuge für diesen Fall mitbringt beziehungsweise durch solche erweitert werden kann. Die ständige Weiterentwicklung durch die Open Source-Community wird gewährleisten, dass der Firefox ein schmaler und sicherer Browser bleibt und damit ein Kandidat für den unternehmensweiten Browser-Standard ist.

Für besondere Szenarien reicht allerdings auch der Firefox nicht aus, etwa für das Windows-Update, welches ausschließlich über den Internet Explorer möglich ist.

Netscape und Mozilla basieren auf der gleichen Engine dem gleichen Kern wie der Firefox, sind aber als Suite sehr umfangreich, und gerade Netscape ist aufgrund der niedrigen Geschwindigkeit nicht zu empfehlen.

Opera bietet eine interessante und funktionale Suite, hat aber noch einige wenige Darstellungsprobleme. Dazu Hinzu kommt die Tatsache, dass er ein kommerzielles Produkt ist und dementsprechend mit einer Lizenzierung oder bei der kostenfreien Version mit Werbung versehen werden muss. Trotz dieser Nachteile ist er empfehlenswert, da er bedienerfreundlich benutzerfreundlich, schmal gehalten und sehr stabil ist.

IX. Perspektiven mit zertifizierten Standards
Die Markt- und Technologie-Entwicklung des vergangenen Jahres bestätigt den Trend in richtung Richtung Open-Source auch bei Browsern. Diese Entwicklung wird sich fortsetzen und Treiber für weitere technologische Innovationen sein. Die neuen Produkte sind absolut konkurrenzfähig zum dominierenden Internet Explorer von Microsoft, bieten größeren Komfort und sind Vorreiter für neue Funktionalitäten.

In Anbetracht der fundamentalen Entwicklungen muss das Internet barrierefreier werden sich von nicht zertifizierten Standards verabschieden und darf keine Nutzer ausschließen. Der Einsatz von Zertifizierte zertifizierten Standards bei der Web-Entwicklung ist die Voraussetzung für eine übergreifende und fortschrittliche Entwicklung des Web. Jedes Produkt, das welches auf diese Anforderungen nicht eingeht, wird sich also ins Abseits stellen.

 
Andreas Rinner, Antje Weber
PASS Consulting Group
 
Die PASS-Studie „Browser Benchmark 2004/2005“ ist erhältlich unter www.pass-consulting.com, wo Sie auch weitere Informationen zur Studie finden.

 

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